Bochum-Wattenscheid. Für den 16-jährigen Emil Oppelt von der LG Sempt hätten die Deutschen U18-Meisterschaften im traditionsreichen Lohrheidestadion kaum dramatischer verlaufen können. Nach einem taktisch geprägten und bis zum Schluss hochspannenden Rennen über die 2.000 Meter Hindernis sicherte sich Oppelt in 6:00,09 Minuten den Deutschen Vizemeistertitel – und damit gleichzeitig das begehrte Ticket für die U18-Europameisterschaften im italienischen Rieti.
Die Ausgangslage vor dem Rennen versprach Hochspannung. Gleich drei Athleten waren mit nahezu identischen Bestleistungen gemeldet. Zwar hatte Oppelt die Norm für die U18-Europameisterschaften bereits zweimal unterboten, für die endgültige Nominierung war jedoch mindestens Platz zwei bei den Deutschen Meisterschaften erforderlich. Eine Medaille hätte zugleich den bislang größten Erfolg seiner noch jungen Laufbahn bedeutet.
Entsprechend vorsichtig agierten die Favoriten zu Beginn. Schnell wurde deutlich, dass niemand bereit war, früh Verantwortung zu übernehmen. Das Feld belauerte sich gegenseitig, das Tempo blieb lange Zeit verhalten. Für einen ersten Schreckmoment sorgte Oppelt bereits am ersten Wassergraben. Nach einer leichten Unsicherheit geriet er kurz aus dem Gleichgewicht und musste mit beiden Händen den Boden berühren. Der LG-Sempt-Athlet ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und fand sofort wieder seinen Rhythmus.
Als das Rennen in die entscheidende Phase ging, setzte Oppelt den zuvor mit seinem Trainer abgestimmten Plan konsequent um. Rund 400 Meter vor dem Ziel erhöhte er das Tempo deutlich, zog den Sprint an und führte das Feld auf die letzte Runde. Doch damit war die Entscheidung noch lange nicht gefallen. Etwa 150 Meter vor dem Ziel schoben sich zwei Konkurrenten an ihm vorbei und nahmen ihm kurzzeitig die freie Bahn. Plötzlich schien sogar die EM-Qualifikation in Gefahr.
Erst nach dem letzten Hindernis fand Oppelt wieder Platz zum Beschleunigen. Mit einer starken Schlussgeraden zog er noch am bis dahin Zweitplatzierten vorbei und rettete Rang zwei ins Ziel. Danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr: Deutscher Vizemeister und gleichzeitig die endgültige Qualifikation für die Europameisterschaften.
Wie knapp die Entscheidung tatsächlich ausfiel, zeigt ein Blick auf die Ergebnisliste. Oppelt lag im Ziel lediglich 24 Hundertstelsekunden vor dem Drittplatzierten und gerade einmal 33 Hundertstel vor Rang vier. Der Kampf um die Medaillen und die begehrten EM-Startplätze hätte kaum enger sein können.
Nach dem größten Erfolg seiner bisherigen Karriere richtet sich der Fokus nun vollständig auf die internationalen Titelkämpfe. Bereits am übernächsten Montag reist Oppelt mit der deutschen Nationalmannschaft von Frankfurt über Rom nach Rieti. Dort wartet am Freitagvormittag zunächst der Vorlauf gegen Europas beste Nachwuchshindernisläufer. Gelingt der Einzug in die nächste Runde, könnte zwei Tage später im Finale das nächste sportliche Highlight folgen.
Für die LG Sempt ist die Nominierung für die U18-Europameisterschaften ein weiterer Beleg für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit – und für Emil Oppelt die große Chance, sich nun auch auf internationaler Bühne zu beweisen.

